Wer kämpft kann verlieren, wer...Ach lassen wir das...

KM 35, von einem Laufschritt zu sprechen wäre übertrieben.
KM 35, von einem Laufschritt zu sprechen wäre übertrieben.

In Triathlonblogs oder auf Facebook liest man im Zusammenhang mit unserer schönen Sportart oft abgedroschene Sprüche, die auch gerne in Bildchen (neudeutsch: „motivationals“) gepackt sind.

Wollt ihr abgedroschene Zitate in Bezug auf die letzten Wochen? Ok, wie wäre es damit: „Wer hinfällt ist noch kein Verlierer - wer liegen bleibt schon“. In der Kurzfassung heißt das, dass ich nach einem verkorksten Saisonhighlight beim Ostseemann mich mit der Saison 2015 nicht zufrieden geben will und nun kurzfristig beim Ironman Mallorca an den Start gehe. Dass es klappt habe ich unter Anderem meinen Eltern zu verdanken die mir das Startgeld spendiert haben, sowie Gerhard und Martina bei denen ich einige Tage unterkomme. Dass das Rennen so klappt wie gewünscht ist natürlich nicht gesagt, aber es gab vor ein paar Wochen ein Rennen, welches mich hoffen lässt, dass ich beim heißen Tanz auf der Baleareninsel den Takt angebe. Als die Beine noch nicht ganz frisch waren konnte ich zwei Wochen nach dem Ostseemann die NRW Meisterschaft über die Mitteldistanz gewinnen. Dabei war ich selbst ein wenig überrascht wie gut es nach der langen Verletzungspause wieder laufen kann.

Wie die beiden Rennen genau liefen könnt ihr hier noch in der Langfassung nachlesen.

 

 

Der Ostseeman war das Rennen, welches dieses Jahr über allen stehen sollte. Im Training hatte ich viel investiert und die Form war vielversprechend, doch ich konnte zum ersten Mal bei einer Langdistanz meine Erwartungen nicht einmal ansatzweise erfüllen. Im Wasser konnte ich eine gute Gruppe unter den Staffelschwimmern finden und als Dritter der Einzelstarter den Strand der kalten Ostsee erreichen. Nach 00:52:38 konnte ich mich meines Tri11 AIRs entledigen. Ein Angriff auf die Spitze wurde aber schon in der Wechselzone jäh durch einen Hinterradplatten verhindert. Mit nassen, kalten Händen ein Schlauch aus einer vom Morgentau feuchten LEEZE Felge zu fummeln war wahrlich keine Freude.

Platz 3 in der Altersklasse - ein schwacher Trost.
Platz 3 in der Altersklasse - ein schwacher Trost.

Einmal auf dem Rad war es brutal schwer einen Rhythmus zu finden. Besonders wenn man 15 Plätze weiter hinter fährt als geplant und als Windschattenspender für übermotivierte Staffelfahrer herhalten muss. Vier Runden habe ich versucht alle negativen Gedanken von mir zu schieben aber mehr als 255W NP waren nicht drin. Das reichte bis zu dem Zeitpunkt nur für einen 37er Schnitt, da erstens mein Hinterrad nur mit drei Bar aufgepumpt war und zweitens die Strecke nicht zu unterschätzen ist. Nach 150km hatte ich mit dem Rennen abgeschlossen und fuhr frustriert in Oberlenkerposition zur Wechselzone zurück. Zu der dort geplanten Aufgabe kam es aber nicht. Keine Ahnung warum. Irgendwie lief der Wechselmodus ab und plötzlich war ich in Laufschuhen unterwegs. Da ich mich durch die Kaffeefahrt in der letzten Rennstunden prächtig erholt hatte ging es auch recht leicht von der Hand. Die einzige Chance das Rennen zu retten war in meinen Augen ein Marathon in Lichtgeschwindigkeit und mit vollem Risiko. Also lief ich nahe an 4:00 min/km und versuchte den Motor so lange wie möglich zusammenzuhalten. Volles Risiko heißt halt volles Risiko. Kann gut gehen - muss es aber nicht. Der Rest sah dann so aus: Ab KM 20 Magenschmerzen, ab KM 23 Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme und ab KM 25 Gehpausen. Danach dann irgendwie zu Ende gewurschtelt und als zweite Frau und 18ter Mann eingelaufen. (9:38:51h) – Enttäuschung, Frust, Wut! Am Abend fühlte ich mich schon wieder recht frisch und schmiedete bei einigen Bier (welche ich nach einer normalen Langdistanz nie vertragen würde) neue Pläne.

Zielsprung - Dopingkontrolle - Siegerbier
Zielsprung - Dopingkontrolle - Siegerbier

Der nächste Schritt war so oder so der Mitteldistanz Start in Hückeswagen. Ein Rennen der NRW Liga läuft für mich oft nach demselben Schema ab. Gut Schwimmen, alleine Rad fahren und beim Laufen von den Lutschern eingeholt werden die aus der großen Verfolgergruppe kommen (die bei dieser Leistungsdichte nun mal zwangsläufig entsteht). Lange schien es so als käme es in Hückeswagen genauso. Nach mittelmäßigem Schwimmen fuhr ich fast ohne einem Konkurrenten zu begegnen die 74 bergigen Kilometer ab. Da der Computer 298 Watt NP anzeigte wähnte ich mich mit einem guten Vorsprung ausgestattet. Nach der zweiten Wechselzone befanden sich aber mehrere Dutzend Athleten weniger als zwei Minuten hinter mir und Marco Mühlnikel schien uneinholbar. Erneut kamen Gefühle wie beim Ostseeman auf - Enttäuschung, Frust, Wut! Doch nach 10km Laufen fand ich einen weiteren Gang und konnte den lange führenden Marco noch stellen und den Mitteldistanzklassiker für mich entscheiden. Die 33. Auflage zu gewinnen war eine besondere Genugtuung, denn bei meinem ersten Sieg auf einer Mitteldistanz waren einige gute Athleten im parallel ausgetragenen offenen Startfeld am Start und ich konnte mir beweisen, dass ich in derselben Liga spiele wie Till Schramm (1.Platz Ostseeman) und Sören Wallem (4.Platz Ostseemann), die ich an diesem deutlich Tag hinter mir lassen konnte.

Genug getippt. Morgen geht der Flieger. Formprognose für Mallorca: Schwimmen ging schon mal besser, Rad fahren ging schon Mal schlechter und gegen mich auf meiner Lieblingsinsel zu Laufen wird für die Konkurrenz hoffentlich keine Freude werden. Aber mehr denn je gilt: Nicht erzählen, sondern machen. In einer Woche bin ich schlauer.

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31.12.2016

Silversterlauf Krefeld

8,1

3. Platz

 

28.01.2017

INDOORMAN

0,275 - 5 - 1,5

1. Platz (Durchgang 1)

3. Platz (Team)

 

06.08.2017

Ostseeman

3,8 - 180 - 42,2

 

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