Hawaii Tag 9: Raceday

Der letzte Eintrag trägt ja eigentlich schon den Namen Mahalo (hawaiianisch: Danke), dennoch noch einmal vielen Dank für die netten Botschaften und die Unterstützung!

 

Der Rennmorgen begann ziemlich entspannt. Normalerweiser findet man vor einem wichtigen Rennen nur wenig Schlaf, da mein Rhythmus aber gut umgestellt war und wir sowieso jeden Tag sehr früh aufgestanden sind fand ich vor dem großen Tag sechs Stunden Schlaf. Um 5 Uhr trafen wir an der Wechselzone für die letzten Vorbereitungen ein. Alles verlief nach Plan und als ich um 6:40Uhr mich endlich zu Wasser lassen durfte schwamm ich sofort zur Startlinie. Auf Hawaii beginnt das Ringen um die besten Positionen nämlich schon 15 Minuten vor dem Start. Mit dem Startschuss folgten dann 2km übelste Schlägerei und Positionskämpfe. Dabei ging es leider auch durchaus unfair zu, denn immer wieder wurde man auch zurückgezogen und runter gedrückt. Wer sich mit Triathlonstarts auskennt, der weiß, dass Tritte und Schläge passieren, alles andere aber nicht aus Versehen geschieht. Besonders einen Tritt am Wendepunkt spüre ich heute noch deutlich im Kiefer. War das Schwimmen mental stressig, so war es doch körperlich einigermaßen locker. Bei, auch für Hawaii Verhältnisse, unruhiger See bin ich mit 58 Minuten zufrieden. Besonders auf dem Rückweg konnte ich im Wasserschatten gut Körner sparen.

Im Wechselzelt war ich zunächst vom Betrieb geschockt. Wenn man gewöhnt ist bei fast allen Wettkämpfen ganz vorne dabei zu sein, dann ist der Ironman Hawaii schon eine Ausnahme. Allerdings sollte sich das für eine Ironman Weltmeisterschaft auch so gehören.

 

Zu Anfang des Radfahrens ließ ich massig Leute ziehen, was kein schönes Gefühl, aber die richtige Entscheidung war. Auf dem Anstieg nach Hawi knallte der Wind ordentlich rein. Ich bin kein Hawaii Experte, aber basierend auf der Erfahrung von jetzt 12 Tagen kann ich sagen: Am Renntag waren keine leichten Bedingungen! Das Meer war wie an keinem anderen Tag mit weißen Schaumkronen überzogen und Palmen und Gräser bogen sich im Wind. Faris Al-Sultan sprach später von „brutalem Wind“, Sebastien Kienle vom „heißesten und windigsten Tag während seines 5 Wochen Aufenthalts“ und die ARD Sportschau von „mörderischen Bedingungen“. Der lockere Hinweg machte sich also bezahlt, denn ab Kilometer 100 sammelte ich nach und nach immer mehr Fahrer ein. Ich fühlte mich gut und hatte Spaß, wenn man auch aufpassen musste nicht von der Straße geweht zu werden. In manchen Passagen war Trinken, Essen oder Kühlen nur schwer möglich. Über weite Strecken fuhr ich den Highway zurück sogar auf dem kleinen Blatt und auch eine Spitzengeschwindigkeit von 85 km/h spricht für Passagen mit ordentlichem Rückenwind. Mit 5:09h wäre ich vorher nicht zufrieden gewesen, da die zweite Disziplin aber sehr gleichmäßig lief und ich mich sehr bereit fühlte für den Marathon, bin ich es jetzt im Nachhinein schon.

 

Bei meinen bisherigen Marathons in und außerhalb von Langdistanzen war meistens die muskuläre Ermüdung der limitierende Faktor. Dieses Mal ganz klar die Hitze. Sowas bin ich einfach nicht gewöhnt. Im Gegensatz zu einigen meiner Konkurrenten kann ich es mir halt nicht leisten den Winter in Südafrika und Australien zu verbringen. Bei solchen Bedingungen Sport zu machen war neu. Der Motor riegelte einfach ab. Ich fühlte mich locker in den Beinen, im Magen und insgesamt, dennoch: schnelles Laufen war aber einfach nicht drin. Auf dem Highway wurde ich regelrecht gekocht und erst als die Sonne langsam tiefer sank konnte ich wieder Leute überholen. Mit 3:26 muss man beim ersten Hawaii Marathon zufrieden sein. Dennoch hatte ich mir, besonders nach dem verhaltenen Radpart, eine bessere Leistung erhofft.

 

Der Zieleinlauf war wirklich sehr emotional. Das klingt immer abgedroschen und man liest es doch sehr oft, aber Hawaii ist für mich schon etwas ganz besonderes. Mein Vater macht seit 1989 Triathlon, ich kenne dieses Rennen also tatsächlich schon seit ich denken kann. Als Grundschüler habe ich die Bilder von Mark Allen, Thomas Hellriegel, Jürgen Zäck und später Lothar Leder im „Triathlete Magazine“, von dem es damals noch eine deutschsprachige Ausgabe gab, immer und immer wieder studiert. Mir war immer klar, dass ich da mal hin muss. Jetzt war ich da und als ich den Zielstrich überquerte war mir tatsächlich zum heulen zu Mute. Nicht nur während diesem wirklich extrem harte Rennens, während des ganzen Jahres, sondern mein ganzes sportliches Leben lang hatte ich auf diesen Zieleinlauf hin gefiebert.

 

Insgesamt wurde ich 178. von rund 2000 Startern und 22. in meiner Altersklasse. Kein schlechtes Ergebnis, aber auch nicht berauschend. Auf Facebook habe ich geschrieben: „Die besten der Welt sind nicht weit weg.“ Keine Angst mir sind die vielen Klicks, Likes und Einträge nicht zu Kopf gestiegen. Was ich damit nur ausdrücken wollte, dass mir zu den Besten der Altersklasse nicht viele Minuten fehlten. Da ich mit 25 Jahren natürlich einer der jüngsten in der AK 25 bin traue ich mir zu das Loch, insbesondere wenn ich den Fokus etwas mehr auf Ironman/Langdistanz lege, in den nächsten Jahre zu schließen.

 

Mit diesem Rennbericht endet meine Berichterstattung zum Ironman Hawaii noch nicht! Zu dieser fast täglich Berichterstattung wurde ich ursprünglich von meinem Trainer angehalten. Da die meisten Triathletenblogs an zu viel Masse und zu wenig Klasse scheitern, fand ich das eine schlechte Idee. Daher noch mal vielen Dank für die positiven Nachrichten dieses „Tagebuch“ betreffend.

 

Bald mehr aus Maui.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Cliff (Mittwoch, 17 Oktober 2012 22:24)

    Schöne Zusammenfassung und vor allem nochmal die besten Glückwünsche.

  • #2

    Petra und Christoph (Mittwoch, 17 Oktober 2012 22:45)

    Toll geschrieben, lässt nachfühlen. Genießt Maui, bis bald im herbstlichen Krefeld!

  • #3

    Uschi Bahlke (Donnerstag, 18 Oktober 2012 12:09)

    zunächst die besten Glückwünsche zu diesem -für mich- sensationelem Ergebnis. Die Berichterstattung ist sehr interessant und mitfühlend geschrieben. Viel Spaß noch
    Uschi

  • #4

    Udo Biege (Donnerstag, 18 Oktober 2012 13:03)

    Hallo Mattes,

    keine Sorgen Du stehst schon mit beiden Beinen im Leben. Wer Dich kennt, weiß das Du nicht dazu neigst abzuheben.
    Nochmal ganz herzliche Glückwünsche zu dem tollen Ergebnis.
    Genieße die Tage dort und kom heil zurück.
    Gruß
    Udo

  • #5

    Dorothee (Donnerstag, 18 Oktober 2012 20:59)

    Hallo Lieblingsbruder, bin sehr stolz auf dich!

  • #6

    Eva (Dienstag, 23 Oktober 2012 07:08)

    Hey Muzze,

    ich freu mich so, dass es wirklich alles geklappt hat. Einfach toll und irgendwie unglaublich!
    Danke auch für dein Tagebuch.

    Lieben Gruß
    Eva

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