"An uns verdienen die nix!"

Auszeit vom Wahnsinn: BBQ über den Dächern von Palma statt Krieg.
Auszeit vom Wahnsinn: BBQ über den Dächern von Palma statt Krieg.

"An uns verdienen die nix!"

Diese Maxime beschreibt eine Nichtabdeckung der Übernachtungs- und Personalkosten in Hotels die durch den übermäßigen Anstieg der Lebensmittelkosten, die ein Gast verursacht, erreicht wird.

Normale Mallorcatouristen und Triathleten vereint in der Regel nur eines: Sie wollen der König vom Buffet werden und, auch damit, ihren Körper zu Veränderung bewegen. Formzuwachs (i.e. Übertraining) und geringer KFA die Ziele der einen; Fettleibigkeit und Leberzirrhose die der anderen. Anders ließe sich das Verhalten von 90% der in drei Sterne Hotels hausenden Kundschaft (Motto: "Ich habe bezahlt, ich darf mich aufführen wie Sau und den Kellner in meinem Heimatidiom anschnauzen!") nicht erklären.

Um eine Chance gegen Senioren, Junggesellenabschiede (gerne in peinlicher Einheitskluft), Kegelgruppen (ebenfalls Einheitskluft) und sonstiger Ballermannasis zu haben, gilt es sich taktisch klug anzustellen – im wahrsten Sinne des Wortes. Lassen sie sich von einem Veteranen beraten, der schon viele Schlachten an den Buffetfronten geschlagen, zum Beispiel hier von mir.

 

1. Observation und Tischauswahl

Die Tour wird im Winter gewonnen, genauso beginnt der Krieg schon bevor der erste Teller beladen wird und die erste Gabel zum Angriff in die Höhe gereckt wird. Den ersten Tag unbedingt zum Beobachten nutzen. Kommen sie fünf bis zehn Minuten vor Beginn und drängen sie sich mit den anderen armen Irren vor der geschlossenen Tür. Vielleicht kann man hier schon die ersten Feinde ausmachen. Geblieben wird bis zum bitteren Ende (zwei oder drei Stunden einplanen).
Am ersten Tag muss man sich vom Kellner einen Tisch zuweisen lassen. Von Vorteil ist natürlich eine Position von der aus man das Geschehen überblicken kann. Dennoch auf guten Zugang zu kritischen Bereichen achten. Achtung: Was morgens ein guter Platz sein kann (z.B.: nah am Orangensaft) kann abends ein schlechter sein (z.B.: verdeckte Sicht auf die Grillschlange)!
Wenn möglich sollte auf Tischnachbarn verzichtet werden, so hat man mehr Platz um Türme und Wälle aus Geschirr zu errichten.


2. Die Zeit

Wenn sie einen Tisch haben und der erste Tag hinter ihnen liegt, sollten sie einen Eindruck haben, zu welcher Zeit man am besten ankommt, sofern man nicht gedenkt sowieso die ganze Essenszeit auszureizen.
Es füllt sich zuerst am Salatbuffet. Nach zwanzig Minuten wandert das Pack für eine gute Stunde zur Hauptmahlzeit, gleichzeitig haben aber bereits die Ersten begonnen das Nachtischbuffet zu attackieren. Erst gegen Ende der Zeit wird es sich hier leeren, genauso wie der Betrieb bei den warmen Gerichten, insbesondere am Grill, kaum noch nachlässt. Durchbrechen sie diese Routine und Essen sie antizyklisch: Nach Öffnen der Pforten mit ein paar strammen Schritten zum Dessert vorstoßen und erstmal zwei Teller vollladen. (Tipp: Meistens stehen in der Nähe von Salat und Dessert nur kleinen Teller. Suchen sie in der Nähe der warmen Speisen nach Tellern die eine größere Zuladung erlauben. Funktioniert auch morgens um das fünfte Croissant neben den Turm aus Brot, Wurst, Nutella Quark und den Eiern zu stapeln.) Erst danach geht es zu Salat und Hauptspeise, je nach Gefechtslage Reihenfolge abwägen. Wenn das mit den vergraulten Tischnachbarn geklappt hat einfach in vier Gängen acht Teller vollladen und rund um seinen Platz positionieren. Dann kann man sogar in gewohnter Reihenfolge (1x Suppe - 2x Salat – 3x Hauptspeise – 2x Obst - 4x Dessert) essen.


3. Speiseauswahl

Wenn man es raushat 100% asynchron zur Meute zu Essen hat man schon viel gewonnen. Jetzt gilt es noch beliebte/knappe Lebensmittel auszumachen um sie schnell in die eigene Festung zu holen.
Generell gilt: Ungesund ist beliebter als Gesund (vgl. Aussehen der Gegnerschaft). Morgens sichern sie sich erst gefüllte Croissants und vor Fett triefenden Speck. Schwarzbrot, Obst und Magerquark können sie sich später holen. (Tipp fürs Frühstück: Anstehen am Kaffeeautomaten ist ein schlimmer Zeitfresser. Bei heißen Getränken Suppenschüsseln statt Tassen verwenden – spart Wege.)
Abends ist Mousse au Chocolat der Renner, gefolgt von Pommes und Fleisch. Fisch und Salat sind Graubereich. Obst und fettarme Speisen können sie erst später angehen.


4. Mittel und Wege

Jede Lücke am Buffet ist Recht. Stoßen sie einfach hinein, wenn ihr Verhalten mal gerügt wird tun sie so als wären sie Franzose, die können kein Englisch oder Spanisch und schon gar kein Deutsch und können sich daher auf Mallorca praktisch nicht verständigen.

Nie mit leeren Händen gehen.

Die Füllmenge von Tassen, Schüsseln und insbesondere Tellern sollten sie maximal ausreizen ach ja und die Kellner bestechen kann auch hilfreich sein.

Mit diesem Erfahrungschatz habe ich es geschafft im Trainingslager 2,5kg zuzunehmen.

In diesem Sinne
Auf in den Kampf und Guten Appetit!

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Kommentare: 4
  • #1

    patrickd (Montag, 07 Mai 2012 15:00)

    Sehr geil!

  • #2

    Petra (Montag, 07 Mai 2012 15:41)

    So bildlich beschrieben, dass man Urlaubsstimmung bekommt. Aber wie bekomme ich bestimmte Bilder nun wieder aus dem Kopf? Hilfe! Wirklich kurzweilig geschrieben.

  • #3

    Christoph (Montag, 07 Mai 2012 22:13)

    Hi Matthes,
    alles genau zutreffend geschrieben und weit mehr als die Basics, die man zum Überleben am Buffet braucht.

    Ein paar Hinweise aus vielen Jahren Trainingslagererfahrung:

    Hotelwahl:
    Unbedingt zu meiden sind kleine Hotels, deren Bettenzahl nicht mindestens vier mal so groß ist wie Eure Trainingsgruppe. Es ist nicht schön, wenn dass Buffet bei Eurem ersten Durchgang gleich komplett abgefräst ist.

    Essensschicht:
    In bestimmten Hotels wird in zwei Schichten gegessen, die zugewiesen werden. Ihr müsst zwingend in die erste Schicht gegen 18:30 Uhr kommen (notfalls Restaurantchef bestechen!). Wenn Ihr erst um gegen 20:00 Uhr eingeteilt werdet, hat das zwei Nachteile:
    Ihr esst schon nach der Trainingseinheit auf dem Zimmer Chips etc. Ihr schlaft nach dem späteren Essen noch schlechter, als wenn Ihr Euch noch nach dem Essen etwas an der Bar wachhaltet.

    Benehmen:
    Eine gewisse Rücksichtslosigkeit ist unvermeidlich um satt zu werden. Tipp: Es sollte immer eine andere Trainingsgruppe geben, die sich noch "schlechter" benimmt. Die Kellner und Rentner werden ihren Zorn dann dort fokusieren und Ihr könnt in Ruhe das Buffet plündern.

    Bis demnächst!

    .... viellecht sieht man sich ja mal am Buffet im Timor an der Playa de Palma.

    Christoph


    - In kleinen Hotels mit einem Triathlen

  • #4

    Chri (Dienstag, 19 Juni 2012 10:12)

    Hi !

    Bin grad übers Forum von triathlon.de auf deinen Blog gestoßen und muss sagen, dass der Artikel echt saugeil geschrieben ist :D Genau meine Meinung - Fressen bis nix mehr reingeht. Wir sind ja schließlich Triathleten :D

    Wünsch dir alles Gute für die Saison!


    Beste Grüße aus Österreich,



    Chri

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