Bäm! - Gesamtsieg bei der Deutschen AK Meisterschaft

Entschlossenheit
Entschlossenheit

Egal ob ein Rennen gut oder schlecht läuft, man sucht immer nach Anhaltspunkten die zum Ergebnis geführt haben, um beim nächsten Mal die unmittelbare Wettkampfvorbereitung zum optimieren.

  Was das Training angeht scheine ich inzwischen dabei angekommen zu sein, dass mir ein kurzes und abruptes Tapering am besten passt. Wenn man sich meine Doku anschaut, hatte ich in den letzten Jahren immer besonders frische Beine, wenn ich bis Montag/Dienstag fast noch voll trainiert habe und dann einen oder sogar zwei komplette Ruhetage eingeschoben wurde. Beim „klassischen“ Tapering mit gleichbleibenden Trainingsfrequenz und sinkenden Umfängen konnte ich mich oft nicht vernünftig erholen und hatte oft nicht das Gefühl, dass „die Form kommt“. Das Problem, dass mein Körper runterfährt habe ich am Sonntag mit einem langen Aufwärmprogramm mit ordentlicher Mucke in den Ohren bekämpft.

Ansonsten bin ich aber immer noch unschlüssig, wie ich die Tage vor einem Rennen abseits des Trainings am besten gestalte. Wenn ich die Strategie von Düsseldorf kopiere, dann würde das heißen den Samstag über 6 Stunden Shooter Games spielen um sich von Nachmittags bis spät Abends um die Betreuung des Bundesliga Teams zu kümmern. Am Sonntag dann war ich 7 Stunden (!) vor meinem Start vor Ort um die Jungs zu betreuen und zu pushen. Erst als das erwähnte Aufwärmen begann fokussierte ich mich auf mein eigenes Rennen – dafür aber richtig!

 

Dass ich diesen Fokus unter der Woche nicht hatte lag vor allem daran, dass die erste Saisonhälfte, die mit Düsseldorf zu Ende ging, sehr unbefriedigend war. Vielleicht hat die nötige Lockerheit, welche am vergangen Sonntag da war, zuvor gefehlt. Ich ging wirklich ohne Erwartungen ins Rennen und wollte einfach mal durchziehen, ohne das Gefühl einer angezogenen Handbremse zu haben.

Leider wurde das Rennen mit einem Countdown gestartet. Die Folge: Jeder der nicht bei „2“ losschwimmt, sondern ehrlich auf das Horn wartet, wird überrollt. Auf der ersten Runde musste ich mich also erst mal wieder nach vorne arbeiten und brauchte für die ~1,7km etwas über 23Minuten.

  Auf dem Rad hatte ich mich auf das lange Geradeaus Stück am Rhein entlang fokussiert. In den technischen Passagen versuchte ich Körner zu sparen und zu trinken, während ich auf den Geraden immer den Hahn voll aufdrehte. Ich konnte die Führung nach ca. 30km übernehmen und mir ein Polster von 50 Sekunden erarbeiten. Beim verlassen der WZ sah ich eine riesige Gruppe reinkommen die auf dem wenig selektiven Kurs wohl zwangsläufig zusammen gefahren war. Für solche Situationen gibt es im Triathlon immer nur ein Mittel: Die Konkurrenz schocken! Ich schlug ein (zu) hohes Tempo an. Meine Spotter (Danke besonders an Tim der immer hin und herlief und mir sooft es ging Abstände durchgab), sowie Streckenposten sagten mir ein Tempo von >3:10 an. Da der Kurs allerdings zu kurz war konnte ich damit nicht viel anfangen. Nur dass mein Vorsprung wuchs hörte ich. Mein größter Konkurrent, Stefan Schmid, war allerdings unglücklicherweise in einem anderen Startfeld nach mir auf die Strecke gegangen. Als er mich in der dritten, bzw. seiner ersten, Runde mit Hyperraumgeschwindigkeit überholte ahnte ich Übles. Für die Zuschauermassen wurde ich von den Sprechern bereits als Sieger gefeiert, doch ich war mir nicht mal sicher unter den Top3 zu sein. Also zog ich 400m vor dem Ziel einen langen Endspurt an um auch keine Sekunde liegen zu lassen. Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass ich dadurch die grandiose Stimmung im Ziel nicht auskosten konnte. Auch das Zielbanner wollte ich gar nicht so recht in Höhe recken, denn ich wusste ja noch nicht ob ich durch war. Gerne hätte ich etwas das Tempo gedrosselt und richtig gejubelt.

Nach dem Zielinterview wurde ich sogleich von einem Chaperon in Empfang genommen und zur Dopingprobe gebeten. Ich bin froh, dass mir so die Chance gegeben wird etwas für die Glaubwürdigkeit unseres Sports zu tun.

Am Ende der Prozedur bekam ich Gewissheit. Im Fernduell hatte ich mit 20 Sekunden knapp die Oberhand behalten. Einen solchen Hochkaräter wie Stefan Schmid geschlagen zu haben macht mich stolz, es hat alles gepasst.

Mein Rennen war sicherlich sehr gut, aber nicht die beste Performance meiner Karriere. Dennoch steht der Wettkampf jetzt ganz oben in meiner persönlichen Rangliste. Deutscher Meister aller Altersklassen hört sich einfach gut an, auch wenn ich weiß, dass die Lücke zu den Profis und Semi-Profis durch einen Titel nicht einen Zentimeter kleiner wird. Wenn ich weiterkommen will muss im Schwimmen endlich mal wieder ein großer Schritt her und auch das Laufen muss schneller und vor allem stabiler werden. Aber ganz abgesehen vom Papierergebnis hat das Rennen einfach nur Spaß gemacht. Laut Presse waren 35.000 Zuschauer an den Strecken und mit Führungsfahrrad und unter ohrenbetäubendem Lärm um den Sieg zu kämpfen war ganz klar die berauschendste Erfahrung die ich bisher im Triathlon machen durfte.

Danke an alle die mir das ermöglicht haben!

 

Einzelplätze:

Schwimmen: 16.

Wechsel #1: 22.

Rad: 1.

Wechsel #2: 3.

Lauf: 4.

 

Gesamt: 1.

M25: 1.

 

Unter Leaderboard kann man das Rennen und meinen Weg noch mal gut nachvollziehen. Einfach Altersklassen DM auswählen und dann auf meinen Namen klicken. Danach könnt ihr immer gucken wie die Abstände an den Matten waren.

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Kommentare: 2
  • #1

    Jannik (Dienstag, 05 Juli 2011 22:17)

    Glückwunsch nochmals ! ;)

  • #2

    Turner (Donnerstag, 16 August 2012 10:57)

    Etwas spät, aber auch von mir Glückwunsch. Ein tolles Ergebnis.

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