Indeland Burnout

Zu diesem Zeitpunkt noch "Best of the Rest"
Zu diesem Zeitpunkt noch "Best of the Rest"

Vor dem Start des Indeland Triathlons hatte ich trotz illustrem Starterferld, auf die Preisgeldränge (1-3) geschielt, knapp vier Stunden später musste ich mich auf das erste und wichtigsten Ziel eines Triathleten zurückbesinnen: Finishen – um jeden Preis.

Im Vorfeld des Wettkampfs hatte ich mit Nedim einige Sache im Training ausprobiert bzw. umgestellt und auch eine achttägige Taperphase war eingeschoben worden. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Am Donnerstag schwamm ich im Rahmen unserer Vereinsmeisterschaften ein Offenwasser Rennen. Dabei konnte ich an unseren Topschwimmern dranbleiben, die mich im Training und im Vorjahr meistens deutlich distanzieren konnten. Wenige Tage später am Blausteinsee war vom guten Wassergefühl aber nichts mehr über, was auch am extremsten Wellengang lag, den ich je in einem Binnengewässer erlebt habe. Mit einer ziemlich durchwachsenden Schwimmleistung ging es nur als Zehnter aus dem Wasser. Mit dem schnellsten Wechsel aller Teilnehmer konnte ich meine Schwimmgruppe aber sogleich abhängen und hatte freies Feld vor mir. Am Start waren nämlich mit Olli Strankmann und Simon Jung zwei alte Bekannte, die zu meinem Leitwesen zurzeit im Bereich der Triathlon Weltspitze (!) schwimmen und daher zusammen mit Dave Rost (NED) schon weit enteilt waren.

Da ich die Strecke nicht kannte lies ich auf der ersten Runde massig Zeit liegen, denn Richtungsänderungen waren immer nur durch Absperrungen und nicht durch Schilder angezeigt. Eine Kreuzung war komplett unmarkiert, sodass ich fast anhielt. Als ich sah, dass es links mit einem Parkplatz und rechts mit einem Schotterweg weiterging, konnte ich meine Fahrt schräg links fortsetzten. Ziemlich unprofessionell von mir die Strecke nicht zu besichtigen. Im zweiten Teil der ersten Runde knallte der Wind von vorne rein. Hier machte ich viel Zeit gut und schob mich auf Platz 2 vor. Ich konnte meinen Vorsprung ausbauen und den Rückstand auf den, einmal mehr überragenden, Olli Strankmann konstant halten. Nach 60km passierte dann ein Missgeschick, was mich vielleicht das Rennen gekostet hat. Ich bekam nicht eine Flasche zu greifen und das trotz stark verringerter Geschwindigkeit. Eine Sache die mir noch nie passiert ist. Die letzte halbe Stunde saß ich komplett auf dem Trockenen, was sich auch bald in Halsschmerzen äußerte. In der Folge wurde ich vom 40km vorher abgehängten Dave Rost wieder eingeholt. Insgesamt kam ich für die 81km (40,0kmh/Schnitt) nur auf knapp 1l Getränk.

Dennoch begann der Lauf gut und nach 8km auf Rang zwei hatte ich meine Probleme schon fast vergessen. Das Verpflegungsdilemma fand aber eine Fortsetzung. Bei der ersten Verpflegung lief ich erst mal durch und bei der zweiten Verpflegung gab es nur Cola und Wasser. Ich lief an „Wasser“ vorbei und rief: „Iso!“ und bekam aber nur Cola. So früh wollte ich noch nicht umstellen also trank ich nichts - Fehler! Ende der zweiten Runde ging mit schlagartig der Saft aus. Denn zwischen den beiden Stationen liegen nicht wie üblich 2, sondern knapp 4km. Insgesamt hatte ich zwar schon einen PowerBar und 3 Gels zu mir genommen (Ich habe schon MDs mit weniger gemacht!), aber durch das wenige Trinken ging der Sprit schon nach 11km aus. Zuvor hatte ich noch nie außerhalb von Verpflegungsstellen gehen müssen, doch es begann der unvermeidliche Wandertag. Anfang der letzten Runde musste ich mich extrem motivieren noch mal auf die Runde zu laufen. Alle meine Tagesziele waren dahin. Mit abwechselnden Geh- und Laufabschnitten rettete ich mich ins Ziel, wo ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte und ein paar Minuten medizinisch betreut werden musste.

Trotz des schwachen Resultats bewerte ich das Rennen deshalb rückblickend als ordentlich, denn wenigstens habe ich wirklich alles gegeben! Ein Rennen zu finishen was ich verloren habe macht mich mehr stolz, als nen IM in 9h zu machen.

 

P.S.

Am Schwimmen wird jetzt besonders hart gearbeitet! Ab sofort wird jeden Montag in Köln ne richtige Männereinheit geschwommen. Mein Wochenumfang wird sich dadurch ungefähr von 13km auf 18km erhöhen und die große Anzahl von stärkeren Schwimmern sorgt dafür, dass das Tempo auch nicht verschleppt wird.

 

"See you hell", so dachte ich nach 15km.

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Kommentare: 1
  • #1

    Christoph (Donnerstag, 23 Juni 2011 15:34)

    Hi Matthees,

    mal wieder ein guter Bericht!
    Du hast Dich wirklich tapfer durchgekämpft.
    Genau so ungewöhlich wie das Anreichen der Wettkampfverpflegung fand ich auch die Notverpflegung im Sani-Zelt: ein dickes Stück Fleischwurst hätte ich dort nicht erwartet.

    C.

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