Männerspielzeug Folge 2: Kaliber 9mm

9mm Full Metal Jacket
9mm Full Metal Jacket

  Wenn es mal wieder Zeit war für einen Triathleten neue Ausrüstungsgegenstände anzuschaffen, wird dieser meistens gleich den Kollegen vorgeführt. Diese Zeit zum Anschaffen ist im Übrigen immer, insbesondere bei Krankheit des Athleten, bei unzufrieden stellenden Wettkampfergebnissen, in der Mittagspause im Büro (ebay Schnäppchen aus Übersee!) oder Sonntags auf der Triathlonmesse. Bei der Vorführung muss man jedenfalls nicht lange warten bis ein Wort fällt:„Waffe“. „Schau mal hier! Mein neues Zeitfahrrad mit allem Zipp & Zapp. Das wird meine Waffe für Rennen XY“. Damit nicht genug. Jegliches Material wird vorschnell mit der aggressiven Metapher beschrieben. Neos werden zur Waffe auf der Jagd nach der Bestzeit. Die Paddles sind die Waffen fürs Training. Das Handtuch die Waffe fürs für nach dem Training. Laufvisor ist eine Antisonnenwaffe. Regenerationsgel – Waffe! Und so weiter und so fort. Meine neuste Errungenschaft verdient das Prädikat Waffe aber wirklich.

Bei Betrachtung der Bodenverhältnisse sah ich meinen großen Silvestercoup in Gefahr. Mir ging der Satz von Vincent Vega durch den Kopf als er erfährt wie viele potentielle Gegner ihn im Apartment erwarten: 

Wanted! Dead or Alive!
Wanted! Dead or Alive!

„Für so einen Auftritt sollten wir eigentlich Gewehre nehmen.“ Also schaute ich bei meinem lokalen Waffenhändler Jörg vorbei und um eine adäquate Bewaffnung für Verfolgungsjagden bei Eis und festgetretenen Schnee zu besorgen. Es wurde der Puma TFX Star. Ich wählte 9mm Nägel und genau wie Max Payne und alle coolen Jungs sich auch nicht mit einer Berreta zufrieden geben, wurden es natürlich zwei Schuhe. So gerüstet wollte ich beweisen, dass ich ein Big Player in der Cosa Nostra des traditionsreichen Forstwaldlaufs sein kann. Traditionsreich waren auch meine Verletzungssorgen in den letzten Wintern. Doch dieses Jahr hielten mich nur kleinere Wadenprobleme auf und so stand einem großen Knall zum Jahresabschluss nichts im Wege. Was mich im Vorfeld interessiert hatte, ob ich ein fast 30minütiges Ding komplett auf dem Vorfuß durchziehen können würde. Was anderes lässt so eine Waffe am Fuß schließlich wegen ihrer Bauart nicht zu. Ich konnte. Auf Grund der Bodenverhältnisse hatte ich mit meinem Paten einen taktischen Lauf abgesprochen. Der Fokus lag mehr auf Liquidierung der Gegner und weniger darauf eine neue Bestzeit zu erzielen. Begonnen habe ich mit einem 3:30er Tempo und hielt mich lange in einer Dreiergruppe auf. In dieser waren alle Bad Boys mit großkalibrigem Material an den Füßen zum Duell über 8,2km angetreten. In der dritten von vier Runden konnte ich mich mit einer Tempoverschärfung von meinem letzten Verfolger (Westdeutscher Meister M30) lösen und erreichte das Ziel als Zweiter nach 28:34Minuten. So schnell hatte ich den letzten großen Bruch des Jahres noch nie hinter mich bringen können.

 

Am folgenden Montag hatten die lokalen Printmedien bereits Wind von der Sache bekommen und Fahndungsfotos veröffentlicht. Das erfüllt mich aber nicht mit Sorgen, sondern mit Motivation für kommenden Aufgaben und Hoffnung auf viele gute Fluchtversuche auch im Triathlon. Sofern kein Schnee im Sommer liegt dann auch wieder unbewaffnet.

 

Presse mit Artikeln zum Rennverlauf aus WZ und RP vom 5.1.11, sowie zwei weiteren aus Tritime und Trisport.

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Kommentare: 2
  • #1

    Der Pate (Montag, 10 Januar 2011 12:38)

    Dein bisher BESTER Artikel!
    Bemerkenswert ist Deine cineastische Fachkenntnis.

  • #2

    Jens (Dienstag, 18 Januar 2011 18:51)

    Ich finde die Kombination ziemlich gefährlich... 9mm UND grün...ich will da nurnoch mal an den AtomicDog erinnern auf V8

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