Eine Frage der Ehre

Das letzte Vorbereitungsrennen vor Roth ist abgehakt und obwohl es sportlich in allen drei Disziplinen trotz einer weiteren harten Woche durchaus rund lief, hat mir der Wettkampf bis zur Ziellinie keinen Spaß gemacht. An der Organisation und den Strecken des Saerbeck Triathlons lag es sicher auch nicht, sondern ganz einfach an dem Anstand einiger Mitbewerber.

Das Schwimmen hab ich mir (und Niklas gleich mit) selbst versaut. Wir standen einfach zu weit mittig und als der Zug rechts von uns abging waren wir nicht dabei. Die Aufholjagd wurde uns dann noch durch größere dichte Algenfelder erschwert. Nach der ersten Runden kämpften wir uns aber noch auf Position fünf bzw. sechs vor. Rein vom schwimmerischen her konnte ich den Aufwärtstrend der letzten Woche fortsetzten und schwamm für die knapp 1400m ohne Neo ne gute 18:34. Die schlechte Ausgangsposition hab ich mir selbst zuzuschreiben, aber auch der Frühstart tat sein übriges dazu. Hier müssen einfach "Hawaiianische Verhältnisse" her. Durch die "zero tolerance policy" traut sich dort einfach niemand zu früh loszulegen.

Einmal auf meinem geliebten Slice...

...sitzend gabs natürlich nur noch den Weg nach vorne. Und die Beine waren gut. Noch vor der Wende konnte ich die Führung übernehmen und anfangs stand eigentlich meistens 45-50km/h auf dem Tacho. Als ich allerdings den Wendepunkt umrundet hatte und mich auf dem Rückweg befand, traute ich meinen Augen kaum. Athleten soweit das Augen reichte. Und das war keine Übertreibung, das erste "Pack" zählte mal locker 50 Wettkämpfer aus dem offenem und Ligafeld. Nun weiß ich selbst wie das ist, wenn man mit gleich starken Gegner unterwegs ist und Saerbeck ist einfach ne Lutscherstrecke, aber ein Großteil wahrte einfach nicht den Anstand. Dass 10m bei der Leistungsdichte eher Wunschdenken sind, ist mir bewusst. Dennoch sollte doch mindestens eine Radlänge drin sein, oder? Stattdessen sieht man Leute mit 10cm hintereinander hereiern. Einige stecken dabei noch im selben Einteiler und zum Mannschaftszeitfahren fehlte eigentlich nur noch der Materialwagen.

Ich spielte kurzzeitig mit dem Gedanken ganz rauszunehmen und mich ebenfalls mit halbfairen Abstand bei den mit unfairenem Abstand fahrenden Herren einzureihen, doch dann ging mir mal wieder mein Lieblingszitat von meinem Lieblingsathleten durch den Kopf: "Schnell schwimmen, schnell radeln, schnell laufen - ich werde auf niemanden warten!" (Faris al Sultan über Taktik). Also Kopf runter und die Beine fliegen lassen. Nach der zweiten Runde ein ähnliches Bild. Zwar hatte es sich ein wenig entzerrt und einige versuchten auch einen nettgemeinten Abstand beizubehalten doch wirklich alleine war niemand unterwegs. Bei Kilometer 30 überrundete ich Uwe der in der Mastersliga startete. Er zog einen Rattenschwanz von sechs Athleten hinter sich her. Bei einer Gruppe von sechs Mann wäre ein ordentlicher Abstand auf der Landstraße locker drin gewesen, stattdessen Lutscherei vom feinsten. Als ich sie passierte sofort Szenen wie in der Tour. Gang hochschalten, kurz ansprinten und an mein Hinterrad saugen. Erst als ich eine Autobahnbrücke mit 40km/h und 54/14 niederbügelte platzen die werten Herren ab. Allerdings bezahlte ich auch mit einem Magenkrampf für das kurze Überpacen und so konnte ich meinen Schnitt nicht ganz auf 43 halten. Schlussendlich waren es 42,54km/h mit Schieben. Leider reichte das nicht für einen großen Vorsprung für das Laufen und bei der Laufwende sah ich mehrere Gruppen ranlaufen. Schlußendlich musste ich aber mit einer 36:11min für die 10km nur einen Athleten passieren lassen und wurde damit mal wieder erster Verlierer. Ich glaube auf "WUT" lauf ich besser als andere auf "EPO".

Wie gesagt machte das Rennen bis ins Ziel kaum Spaß. Was allerdings im Zielbereich passierte entschädigte sehr. Gleich mehrere Athleten zollten mir Respekt für meine mutigen Flucht und ich glaube bei manchem war vielleicht auch ein klein wenig schlechtes Gewissen dabei.

Mannschaftsmäßig war es leider ein ziemliches Debakel. Ersatz- (Chrissi fiel aus) und pannengeschwächt (Daniel DNF) wurden wir nach zwei Siegen nur zwölfter und damit ist die Meisterschaft futsch.

coole Lutscher

 

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Jenny (Dienstag, 06 Juli 2010 14:29)

    Der Rechte von der Lollipop Guild sieht aus wie der Zieba

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